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27. August 2010

01.09.2010 // Pressemitteilung

BERLIN MAXIMAL
Von Pumpen (Rohren) und Genossen

Berlin, den 27.08.2010 - Die Pumpen-Service Uhthoff & Zarniko sollte sozialistisch organisiert sein. Daraus ist eine ungewöhnliche, erfolgreiche Firma geworden.

Joachim Zarniko:
"Da kommt der schon wieder mit seinem Energiethema."

Joachim Zarniko
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Streng genommen macht Joachim Zarniko als Unternehmer alles falsch. Er ist nicht gewinnorientiert, war nie an einer Expansion seiner Firma interessiert, nimmt sich jedes Jahr genauso viel Urlaub wie seine Mitarbeiter und sagt Sätze wie: "Wenn ich schon acht Stunden am Tag arbeiten muss, dann soll es wenigstens Spaß machen." Geld habe ihn noch nie interessiert. Er wolle den Menschen durch die Arbeit helfen, das sei alles.

Keine Bank würde ihm mit einem solchen Konzept einen Kredit für eine Unternehmensgründung gewähren. Zu utopisch, zu idealistisch. Eigentlich ist der 75-jährige Zarniko zum Scheitern verurteilt. Doch er beweist, dass es auch anders geht. Seit über 30 Jahren gehört er zu den Erfolgreichsten seiner Branche.

"Sobald einer nur ans Geld denkt, bricht alles zusammen."

1972 machte sich Zarniko mit Johannes Uhthoff mit einem Pumpenbetrieb in Kreuzberg selbstständig. Beide hatten zuvor bei Johannes Hübner gearbeitet, dem Erfinder des Unterwassermotors. Als Startkapital hatte jeder von ihnen 7000 Mark zur Verfügung, auch für damalige Verhältnisse war das praktisch nichts. Mit einem Handwagen zogen sie von einem Trödelhändler zum anderen und suchten sich günstige Schreibtische zusammen. Starkstromleitungen, die sie für ihre Pumpen brauchten, verlegten sie selbst. Die Rohre dafür fanden sie auf einem Schrottplatz.

Kurz nach der Gründung bekam die Firma erste große Aufträge, beispielsweise aus Saudi-Arabien, wo die Berliner drei Wassertürme bauen sollte. Die Technik dazu hatten sie in Berlin entwickelt, Zarniko selbst übernahm die Bauleitung vor Ort. Es folgten Aufträge aus dem Libanon, Israel und Libyen. Der Pumpen-Service Uhthoff & Zarniko machte sich in der Branche einen Namen.

Schon in den Anfangsjahren war die Energieeinsparung für das Unternehmen wichtig. "Das interessierte damals überhaupt niemanden", sagt Zarniko. "Überall hieß es immer: 'Da kommt der schon wieder mit seinem Energiethema.'" Die beiden hielten daran fest, weil sie überzeugt waren. Heute schätzen viele Kunden gerade das: Uhthoff & Zarniko sind modern und zeitgemäß.

Auch in anderer Hinsicht erwiesen sich Zarniko und Uhthoff als Querdenker. Sie hatten sich vorgenommen, einen sozialistischen Betrieb aufzubauen. Für die Mitarbeiter gab es keine feste Arbeitszeitregelung. Uhthoff und Zaniko vertrauten darauf, dass schon ausreichend genug gearbeitet würde. Essen und Kaffee war für alle kostenlos, jeden Monat gab es Prämien für gute Arbeit. Jeder wusste, wie viel Lohn jeder bekam, die Mitarbeiter konnten ihre Arbeitskleidung im Betrieb waschen und es wurde darauf geachtet, auch Leute einzustellen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben.

Fast drei Jahre lief der Betrieb nach den Prinzipien von Marx und Co. Das Fazit fiel negativ aus: Die Mitarbeiter nutzten die Regelungen aus. Sie nahmen den kostenlosen Kaffee mit nach Hause und brachten ihre persönliche Schmutzwäsche in die Firma, um sie dort zu waschen. Schließlich forderten die Mitarbeiter selbst eine Zeiterfassung. Das Experiment war gescheitert. "Ich habe den Neid unterschätzt", sagt Zarniko heute. Ein solcher sozialistischer Betrieb könne aber funktionieren, das glaubt er immer noch. "Die Bedingung dafür ist, dass die Firma nur sehr wenige Mitarbeiter hat. Wenn fünf Leute zum Beispiel etwas zusammen auf die Beine stellen wollen, dann kann das klappen. Der Idealismus muss aber von allen getragen werden. Sobald einer nur ans Geld denkt, bricht alles zusammen."

Zarniko hält immer noch an seinen Grundvorstellungen fest. Auch heute ist alles in der Firma transparent. Jeder Mitarbeiter kann zum Beispiel die monatliche betriebswirtschaftliche Auswertung einsehen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden gezahlt und wenn es innerhalb von drei Monaten zu keiner Reklamation des Kunden kommt, bekommen die Mitarbeiter in der Werkstatt 100 Euro Prämie.

Dass dieser Idealismus nicht nur den Gründern gefällt, sondern auch betriebswirtschaftlich funktioniert, zeigen die heutigen Erfolge. Das Unternehmen hat 40 Mitarbeiter, beliefert Global Player wie VW. Für den gesamten Konzern der Wolfsburger sind Uhthoff & Zarniko der Systemlieferant im Bereich der Pumpen. Auch Daimler gehört zu den knapp 600 Kunden.

Uhthoff ist vor zehn Jahren aus dem Betrieb ausgestiegen, Joachim Zarniko ist Geschäftsführer, sein Sohn arbeitet als Prokurist in der Firma, und seine Frau ist für das Marketing zuständig. Den Umsatz nennen sie nicht. "Im Vergleich zu Mitbewerbern sind wir gut positioniert", sagt Zarniko. Jetzt aber bitte keine Fragen mehr zum Thema Geld. Das sei doch wirklich nicht so wichtig. Er lacht.

Anne Hansen

 

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Kontakt:

Pumpen-Service
Uhthoff & Zarniko GmbH
Marion Zarniko-Klein
Alexandrinenstr. 2-3
10969 Berlin
Tel.: 030-61 69 93 32
Fax: 030-61 69 93 22
mzarniko@uhthoff-zarniko.de
www.uhthoff-zarniko.de